Forschungswerkstatt 13

„Das eigene Handeln in der Jugendsozialarbeit verstehen…“: Praxisreflexionen auf der Grundlage ethnographischer Protokolle

Prof. Dr. Johannes Kloha (Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm)

Prof. Dr. Frank Sowa (Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm)

Sie als Praktikerinnen und Praktiker in der Jugendsozialarbeit stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Auf der einen Seite arbeiten Sie mit Jugendlichen, deren Lebenslagen komplex und von vielfältigen, sich überlappenden Schwierigkeiten gekennzeichnet sind. Auf der anderenSeite ist Ihre Arbeit häufig eingebettet in Rahmenbedingungen (wie beispielsweise die einer prekären Fördersituation oder Dokumentationsanforderungen), die viel Energie und Aufmerksamkeit bindet und manchmal zu der Wahrnehmung führt, nicht mehr zum „Eigentlichen“– der Unterstützung der Zielgruppe – zu kommen. Dies wird verstärkt durch die Forderung, kontinuierlich innovative Handlungsansätze und Projekte zu entwickeln, ohne dass deren Nachhaltigkeit gesichert wäre.

Unser Workshop soll eine Möglichkeit bieten, sich vor diesem Hintergrund der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns in Einrichtungen der Sozialen Arbeit zu vergegenwärtigen. Grundlage für die Arbeit im Workshop sind von Ihnen verfasste, kurze Texte über konkrete berufliche Alltagserfahrungen– so genannte ethnographische Protokolle. Diese Texte fokussieren auf einzelne Situationen, die so detailliert und facettenreich wie möglich beobachtet und protokolliert werden, beispielsweise ein Gespräch mit einem oder einer Jugendlichen aber auch der Verlauf eines Gruppenangebots oder einer Teamsitzung. Ihr ethnographisches Protokoll sollte eine Interaktion wiedergeben, die in irgendeiner Form bemerkenswert, vielleicht auch rätselhaft ist. Durch die genaue Beschäftigung mit solchen Texten ist es möglich, sich der konkret erlebten Praxis in Organisationen der Jugendsozialarbeit zu nähern: Gelingenden Handlungsschritten, Spuren, die das eigene Handeln im Leben von Jugendlichen hinterlässt, aber auch Schwierigkeiten und (wiederkehrenden) Herausforderungen und Handlungszwänge aufgrund der organisationalen Rahmenbedingungen. So wird letztlich eine Würdigung der eigenen Arbeit möglich, die auch einen(selbst-)kritischen Blick auf das eigene Handeln in Praxiseinrichtungen der Sozialen Arbeit mit einschließt und so auf sehr konkrete Art und Weise Veränderungsmöglichkeiten sichtbar werden lässt, die auch Anstöße zu Weiterentwicklung der eigenen Organisation geben können.

Die Texte werden vor dem Workshop an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschickt und zur Vorbereitung gelesen. Interessenten des Workshops erhalten im Vorfeld noch Hilfestellung für das Verfassen der ethnographischen Protokolle. Die Arbeit an den Texten geschieht auf der Grundlage sozialwissenschaftlicher Verfahren zur Analyse qualitativer Datenmaterialien. Die gemeinsame Arbeit wird angeleitet von zwei Referenten, die sowohl über differenzierte Einblicke in das Handlungsfeld aufgrund eigener einschlägiger Berufserfahrung als auch über ausgewiesene sozialwissenschaftliche Kompetenz verfügen.

Kontakt: johannes.kloha@th-nuernberg.de, frank.sowa@th-nuernberg.de

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